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Die Menschen Erheben Sich Gegen Rassismus Und Diskriminierung

category international | migration / rassismus | grundsatzerklärung author Monday July 13, 2020 08:10author by Verschiedene anarchistische Organisationen Report this post to the editors
Die Ermordung von George Floyd durch die Polizei in den USA hat dort und auf der ganzen Welt eine Welle der Empörung von unten ausgelöst. Massendemonstrationen und direkte Aktionen gegen die Polizei als Reaktion auf Repressionen waren in den letzten Wochen an der Tagesordnung. Dieser Mord, neben Tausenden von anderen, lässt die weit verbreiteten Proteste von 2014 in den USA wieder aufleben, die als Folge der vielen Morde an, insbesondere jungen, Schwarzen entbrannten.
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DIE MENSCHEN ERHEBEN SICH GEGEN RASSISMUS UND DISKRIMINIERUNG

Die Ermordung von George Floyd durch die Polizei in den USA hat dort und auf der ganzen Welt eine Welle der Empörung von unten ausgelöst. Massendemonstrationen und direkte Aktionen gegen die Polizei als Reaktion auf Repressionen waren in den letzten Wochen an der Tagesordnung. Dieser Mord, neben Tausenden von anderen, lässt die weit verbreiteten Proteste von 2014 in den USA wieder aufleben, die als Folge der vielen Morde an, insbesondere jungen, Schwarzen entbrannten.

Diese Tatsache hat den tiefgreifenden Rassismus, der in den heutigen Gesellschaften existiert, in den Vordergrund gerückt. In Europa fordern Tausende von Einwander*innen ihre Rechte und die Gleichbehandlung mit der weißen Bevölkerung. Das Recht darauf, eine sichere Zuflucht aufzusuchen, wird dabei auch für die Tausenden von Menschen gefordert, die täglich versuchen, das Mittelmeer zu überqueren oder von der Türkei nach Europa zu gelangen. Denn für Viele bedeutet dieser Versuch noch immer den Tod, brutale Repression oder die Unterbringung in menschenverachtenden Flüchtlingslagern.

Dieses Phänomen verdeutlicht die historische Rolle des Rassismus bei der Entstehung der kapitalistischen Gesellschaften. Die Entfaltung des Kapitalismus - lange vor der industriellen Revolution - hatte ein zentrales Element: die Ausplünderung ganzer Kontinente, den Massenmord an ganzen Bevölkerungen, die Aneignung von Territorien, Ressourcen und Menschen durch die europäischen Staaten und ihre Bourgeoisien, mit dem Ziel, Kapital zu akkumulieren. Dieses wurde später im 18. Jahrhundert zur Entwicklung von Maschinen und Industrie genutzt. Es waren die koloniale Strategie der Plünderung von Ressourcen überall in den Amerikas, begeitet von Sklaverei und Menschenhandel in Südamerika und Afrika Sklavenhandel und der Handel mit Menschen aus Afrika, die in die amerikanischen Länder verschleppt wurden, die die Festigung des Kapitalismus ermöglichten.

Dann, in einer anderen Phase der Entfaltung des Systems, entwickelte sich bereits im 19. Jahrhundert die imperialistische oder koloniale Expansion Europas über Afrika, Asien und Ozeanien, mit zahllosen Toten, Vergewaltigungen und Plünderungen, wobei sich die Eroberung, die einige Jahrhunderte zuvor in Amerika stattfand, nun auf dem Rest des Planeten wiederholte. So dehnte sich der Kapitalismus auf den Rest der Welt aus und wurde zu einem globalen System. Plünderung, Zerstörung und Völkermord sind dem Kapitalismus inhärent; sie liegen in seiner DNA. Das gilt auch für den Rassismus oder das Patriarchat, denn der Kapitalismus baut auf der Ausbeutung von Körpern auf, die er zu Elementen umwandelt, die ihm sein Funktionieren und seine Reproduktion erlauben.

Rassismus ist ein strukturelles Element des kapitalistischen Systems. Denn um den Rest des Planeten auszuplündern - auch innerhalb der entwickelten Länder - müssen das kapitalistische System und die herrschenden Klassen festlegen, wer beherrscht und ausgeplündert werden soll.

Eine Legitimation für diese Entscheidung fanden die europäischen Eroberer und Kolonialherren schon früh in pseudowissenschaftlichen "Rassentheorien", die die Existenz von unterschiedlichen "Menschenrassen" behaupteten und diese in Hierarchien einordneten, an deren angeblicher Spitze immer die "weiße Rasse" stand, also die Europäer*innen selbst.

Dadurch brachte und bringt der Rassismus einen großen Teil der Weltbevölkerung, ja ganze Kontinente, im Rahmen des kapitalistischen Systems in untergeordnete Positionen. Das ist der Grund für das Verhältnis zwischen den entwickelten Ländern und den unterentwickelten Länder, das wir beobachten können. Das kapitalistische System, das auf der Unterteilung sozialer Klassen basiert, hat diese Klassen in gutem Maße organisiert, auch auf der Grundlage der Diskriminierung anhand der Hautfarbe.

Neben dem Rassismus spielen dabei auch andere Faktoren eine Rolle, die teilweise miteinander verwoben sich und sich gegenseitig bedingen, so zum Beispiel das Konstrukt der Nation, mit dem die Unterdrückten gespalten werden und alle Menschen, die nicht zum eigenen nationalen Kollektiv gehören, abgewertet werden. Die Nation bildet so eine der Grundlagen der rassistischen und kapitalistischen Normalität.

In Europa und Amerika ist die Mehrheit der nicht-weißen Bevölkerung arm und trägt all das koloniale historische Erbe mit sich herum, das wir erwähnt haben. Es ist so, dass nicht-weiße Menschen immer die am schlechtesten bezahlte Arbeit finden, ohne soziale Sicherheit oder Sozialleistungen oder Zugang zum Gesundheitssystem auskommen müssen und schlechten Wohnverhältnissen sowie ständiger Polizeischikane und Gewalt ausgesetzt sind. Letztere zeigen sich in den Vereinigten Staaten, in Europa, aber auch in den Favelas Brasiliens, wo ein tatsächlicher Prozess des organisierten Massakers an der jungen schwarzen Bevölkerung stattfindet.

Mit anderen Worten: Rassismus ist keine bloße Konsequenz der Wirtschaftsstruktur der kapitalistischen Gesellschaft, er ist kein zweitrangiges Problem. Im Gegenteil, wir müssen sagen, dass das kapitalistische System mithilfe des Rassismus und der Diskriminierung anhand der Hautfarbe installiert wurde und dieses System nicht ausschließlich wirtschaftlich ist. Es ist ein globales System, in dem die ideologisch-politischen Aspekte eine relevante Rolle spielen, ebenso wie die rechtlichen Aspekte, die das Kapital für seine Expansion nutzt, die repressiven Aspekte, die kommunikativen Aspekte usw.

Auf der Grundlage des rassistischen Diskurses erhalten das kapitalistische System und die Staaten einen Zustand aufrecht, in dem es Gebiete auf dem Planeten gibt, die zu Hunger, ständiger Invasion und Krieg verurteilt sind. Dies ist notwendig, damit dieses mörderische System fortbestehen kann; genauso wie es auch von Zeit zu Zeit notwendig ist, sich mit etwas "Kosmetik" ein neues Aussehen zu verleihen, um zu zeigen, dass es einen Wandel gibt, so wie es zum Beispiel mit Barack Obama getan wurde, dem erlaubt wurde, als Schwarzer Präsident der USA zu werden. Gerade unter der Obama-Administration kam es zu einem Anstieg der Polizeigewalt gegen Schwarze, ein deutliches Zeichen dafür, dass Rassismus strukturell im System verankert ist, sich in seinen repressiven Kräften und in Gruppen von Rassist*innen und Verfechter*innen einer "weißen Vorherrschaft" einnistet - genauso wie auf anderen Ebenen des Systems - und eine klare Klassenkomponente hat.

Der Kapitalismus in seiner "liberalen" Aufmachung hat einer kleinen Minderheit von Schwarzen den Zugang zur Macht und zu den herrschenden Klassen ermöglicht, aber nur zu dem Zweck, sich selbst als System zu erneuern und stärker zu werden. Der "liberale" Kapitalismus und der "demokratische" Staat haben nicht aufgehört, rassistisch zu sein, weil er eine*n schwarze*n Präsident*in oder Manager*in in eine privilegierte Position bringt; er wird sicherlich immer technologischer, um den Grad der Ausplünderung und Unterdrückung der sozialen Mehrheit auf dem ganzen Planeten zu erhöhen.

Aus diesem Grund sprechen wir aus der Sicht des politisch organisierten Anarchismus von der Notwendigkeit des Aufbaus einer Front der unterdrückten Klassen, die all jene Sektoren zusammenführt, die vom System unterdrückt und beherrscht werden. Formelle und prekäre Arbeiter*innen, Bäuer*innen, Indigene, Migrant*innen, Arbeitslose und Geflüchtete, d.h. all jene Sektoren, die in ihrem täglichen Leben unter den Folgen des kapitalistischen Systems leiden, haben in einer solchen Front einen Ort des Kampfes. Dies ist das soziale Subjekt, das sich heute in den Aufständen auf der ganzen Welt manifestiert, und es ist das Subjekt, das mit einer Perspektive der organisatorischen Stärkung der Massen aufgebaut werden muss für die Prozesse des Bruchs mit dem System, der sozialen Revolution, die wir fördern und nach der wir uns sehnen.

Weil das kapitalistische System nicht nur ein Wirtschaftssystem oder ein System ist, das ausschließlich von seinen wirtschaftlichen Grundlagen losgelöst ist, verstehen wir, dass der Kampf gegen Rassismus und die staatliche Gewalt, die ihn aufrechterhält, auch ein Kampf gegen die Strukturen des kapitalistischen Systems ist, ein System des Hungers, des Todes und der Gewalt gegen die Unterdrückten der Welt, unabhängig von der Farbe ihrer Haut oder ihrer Sprache. Wir rufen dazu auf, gerade gegen jenen Staat, der bei der Entfaltung des kapitalistischen Systems nicht "neutral", sondern ein zentrales und organisierendes Element desselben war, die Selbstorganisation und den Kampf aller unterdrückten Menschen zu fördern und zu unterstützen!

Da die politischen und wirtschaftlichen Mächte diejenigen, die ihnen keine Treue schwören, ausgrenzen, um angesichts sozialer Konflikte selbst als "Löser des Problems" zu erscheinen, nehmen rassistische und diskriminierende Angriffe in der Gesellschaft zu. Während Kapitalismus und Staat ihre Repression und Militarisierung im sozialen Bereich mit neuen Kampfstoffen, Kugeln und rassistischen Mobilisierungen in der Bevölkerung, der Polizei und der Armee verstärken, ist es jetzt an der Zeit, sie zu bekämpfen!

LANG LEBE DER KAMPF VON UNTEN GEGEN RASSISMUS UND ALLE FORMEN DER UNTERDRÜCKUNG!
FÜR DEN AUFBAU EINER GEGENMACHT VON UNTEN UND EINER FRONT DER UNTERDRÜCKTEN KLASSEN!
HOCH MIT DENEN, DIE KÄMPFEN!
ARRIBA LXS QUE LUCHAN!


☆ Federación Anarquista Uruguaya — FAU (Uruguay)
☆ Embat – Organització Libertària (Katalonien)
☆ Federación Anarquista de Rosario — FAR (Argentinien)
☆ Zabalaza Anarchist Communist Front — ZACF (Südafrika)
☆ Anarchist Communist Group — ACG (Großbritannien)
☆ Anarchist Federation (Griechenland)
☆ Bandilang Itim (Philippinen)
☆ Devrimci Anarşist Faaliyet — DAF (Türkei)
☆ Melbourne Anarchist Communist Group —MACG (Australien)
☆ Aotearoa Workers Solidarity Movement – AWSM (Neuseeland)
☆ Coordenação Anarquista Brasileira – CAB (Brasilien)
☆ Anarchist Union of Afghanistan and Iran – AUAI (Iran/Afghanistan)
☆ Organización Anarquista de Córdoba – OAC (Argentinien)
☆ Union Communiste Libertaire (Frankreich)
☆ Alternativa Libertaria – FDCA (Italien)
☆ Organisation Socialiste Libertaire – OSL (Schweiz)
☆ Workers Solidarity Movement – WSM (Irland)
☆ Die Plattform – Anarchakommunistische Organisation (Deutschland)
☆ Libertäre Aktion (Schweiz)
☆ Tekoşina Anarşist – TA (Rojava – Nordost Syrien)


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George Floyd: one death too many in the “land of the free”
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