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Die plattform: Interview mit der Anarchist Communist Group (ACG) aus Großbritannien

category irland / großbritannien | anarchistische bewegung | interview author Sunday May 26, 2019 02:30author by die plattformauthor address dieplattform.org Report this post to the editors

Wir freuen uns euch dieses Interview präsentieren zu können, welches wir im April 2019 mit der “Anarchist Communist Group” (ACG) aus Großbritannien geführt haben. Die Organisation ist vergleichsweise neu und ist aktuell mit West Yorkshire, Leicestershire, Surrey und London in 4 Regionen aktiv. Auch das Knüpfen von internationalen Kontakten ist ein wichtiger Bestandteil unserer aktuellen Aufbauarbeit. Die Genoss*innen werden andersherum auch ein Interview mit uns führen, Aber nun wünschen wir euch erst einmal viel Freude mit dem bereits vorhandenen und – wie wir finden – spannenden Interview mit der ACG. Gemeinsam vorwärts zum anarchistischen Kommunismus!

die plattform April 2019 - dieplattform.org

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Habt ihr eine langfristige bwz. eine kurzfristige Strategie? Wenn ja, wie sehen sie aus?

Unsere langfristige Strategie ist der Aufbau einer anarchistisch-kommunistischen Bewegung , mit starker Verankerung in der Arbeiter*innenklasse, die eine Revolution und den Aufbau einer neuen Gesellschaft anstrebt.

In näherer Zukunft wollen wir eine neue und dynamische Organisation aufbauen, welche die Möglichkeit hat militante Menschen anzuziehen und den Wiederaufbau anarchistisch-kommunistischer Organisierung im Vereinigten Königreich vorantreiben.

Wie ist euer Verhältnis zur http://afed.org.uk/?

Unsere Ursprünge liegen in der Anarchist Federation – IFA. Die Gründungsmitglieder der https://www.anarchistcommunism.org/ waren zuvor Mitglieder in der AF. Drei der Gründer der ACG waren Mitglieder der Vorgängerorganisation der AF, der Anarchist Communist Federation (1986). Zur Zeit verwenden wir die Ziele und Prinzipien der AF. Wir betrachten uns als die Erben dessen was an der AF am besten war.

Wir sind der Meinung, dass die AF ihre Richtung verloren hat und sich zu einer synthetischen Organisation entwickelt hat, welche sich zur anarchistischen “Szene” hin orientiert. Jedoch sind immer noch gute Militante in der Organisation, mit welchen wir, wenn immer es uns möglich ist zusammen arbeiten.

Was ist euer Verhältnis zu Plattformismus? Steht ihr in Kontakt zu anderen plattformistischen Gruppen in anderen Ländern? Wie sieht eure Beziehung zu diesen aus?

Wir stimmen mit den wichtigsten Grundsätzen der Organisationsplattform der libertären Kommunisten überein: Taktische und theoretische Einheit. Wir lehnen “synthetischen” und “catch-all” Anarchismus ab. Gleichzeitig würden wir uns nicht als plattformistische Organisation bezeichnen.

Der Grund dafür ist, dass wir Differenzen mit dem Plattformismus haben, insbesondere die Idee eine einzige allgemeine Union von Anarchist*innen zu errichten. Darüber hinaus denken wir, dass die Arbeiterbewegung viele Erfahrungen vor und nach 1926 gemacht hat, wie die Erfahrung des Rätekommunismus, Elemente des autonomen Marxismus und so weiter. Wir haben eine starke Differenz mit der Plattform bezüglich einiger Aspekte der Entscheidungsfindung.

Wir stehen in Kontakt mit einigen Gruppen, welche sich selbst als plattformistisch oder als “especificist” bezeichnen würden aber wir sind uns auch bewusst, das die Politik einige dieser Gruppen nicht unsere Politik ist, zum Beispiel die Unterstützung nationaler Befreiungskämpfen, ein reformistischer gewerkschaftlicher Ansatz und historisch die Teilnahme an Wahlen.

In machen Bereichen können wir mit plattformistischen Gruppen international zusammen arbeiten und würden das gerne auch tun.

Welche sozialen und politischen Kämpfe werden gegenwärtig in GB ausgetragen? In welche davon seid ihr involviert und wie? Habt ihr euch entschieden in manchen dieser Kämpfe nicht involviert zu sein und warum?

Da wir eine kleine Gruppe sind und zudem noch geografisch zerstreut müssen wir uns genau überlegen wohin wir unsere Energie und andere Ressourcen investieren.

Wir waren aktiv in den Kampf gegen Univesal Credit. Universal Credit ist eine austeritätspolitische Maßnahme, welche sich als als Sozialleistungsreform tarnt. Die Reform hat erheblich Folgen für viele Menschen aus der Arbeiter*innenklasse und führt Menschen in prekäre Lebenslagen. Wir unterstützen darüber hinaus aktiv die Jugend-Klimabewergung, die mittlerweile tausende Schüler*innen auf die Straße bringt. Wir engagieren uns im Land Justice Network, welches sich für eine Landreform einsetzt. Viele unserer Mitglieder betätigen sich gewerkschaftlich sowohl in ihrem Betrieb als auch in der IWW. Auch das Thema Wohnen ist ein Kampf in den wir uns einbringen. Im Grunde genommen ist es unser Anliegen, uns in Auseinandersetzungen einzubringen, welche die Arbeiter*innen klasse beeinträchtigen. Das schließt eine Vielzahl von Kämpfen ein.

Wie steht ihr zum Brexit? Spielt er in eurer politischen Praxis überhaupt eine Rolle?

Zum Brexit nehmen wir eine neutrale Position ein. Wir lehnen sowohl die Lager der Befürworter als auch der Gegner eines Brexit ab, da keines der beiden Lager der großen Mehrheit der Menschen, sowohl in diesem Land als auch im Rest von Europa etwas anzubieten hat. Bei dem Konflikt handelt sich um die politische Auseinandersetzung zwischen zwei Kapitalfraktionen und er steht symbolisch für eine tiefere Krise der Ideologie der herrschenden Klasse. Im Vereinigten Königreich gab es eine Lexit- also eine linke Brexit-Kampagne welche die Idee der nationalen Souveränität unterstrich. Wir stimmen mit der Kampagne dahingehend überein, dass wir die EU als ein neoliberales Projekt sehen aber die Vorstellung, dass das Vereinigte Königreich sich dahingehend in irgendeiner Weise unterscheidet ist bizarr. Unsere Alternative heißt: Klassenkampf von unten und aktiver Internationalismus.

Wie ist der Zustand der anarchistischen Bewerbung in Britannien? Werdet ihr mehr und stärker? Wie sind die Beziehungen zwischen organisierten Anarchist*innen und nicht-formell-organisierten Anarchist*innen?

Unserer Überzeugung nach existiert keine anarchistische Bewegung in GB. Es existieren mehrere Gruppen auf nationaler Ebene hervorzuheben sind die Anarchist Federation, die Solidarity Federation (organisiert in der IAA) und Plan C. Plan C bezeichnet sich selbst als antiautoritär kommunistisch aber Teile der Organisation orientieren sich zur Sozialdemokratie d. . zur Labour Party. Diese Gruppen arbeiten seltenst zusammen, obwohl es lokal diesbezüglich einige Vorstöße gibt, insbesondere bei antifaschistischer Arbeit.

Die formell-organisierten Gruppen sind verhältnismäßig klein. Die meisten selbsternannten Anarchist*innen bevorzugen lokale, themenspezifische und im schlimmsten Fall ghettoisierte Arbeit oder die lose Organisation in der IWW. Die IWW ist ein Anziehungspol für Anarchist*innen und libertäre Linke, in manchen Fällen als alternative zu einer spezifisch politischen Organisierung, ob nun anarcho-syndikalistisch oder anarcho-kommunistisch. ACG-Aktivisten sind auch in der IWW aktiv. Diese Umstände sind sowohl ein Ausdruck des Versagens der klassenkämpferischen Anarchist*innen diese Menschen anzuziehen als auch ein Ausdruck des Einflusses von lokal-orientierten und gegen Organisierung gerichteten Tendenzen im britischen Anarchismus.

Wir arbeiten eng mit der Revolutionary Anarchist Group aus Birmingham zusammen. Die Gruppe ist eine von mehreren vielversprechenden lokalen Initiativen.

Wie sieht eure Öffentlichkeitsarbeit aus?

Wir nutzen eine zentrale Webseite, lokale Webseiten für unsere Gruppen und Twitter. Wir bemühen uns, regelmäßig öffentliche Veranstaltungen abzuhalten, etwas das nur sehr wenige anarchistische Gruppen tun und wir haben einen jährlichen Schulungstag, genannt Libertarian Communism. Wir veröffentlichen vierteljährlich das Bulletin Jackdaw (zu deutsch: Dohle), eine Broschüre, Sticker und Flugblätter. Wir versuchen präsent zu sein, wo immer wir können. Wir sind nicht daran interessiert uns auf uns selber oder eine imaginäre Bewegung zu konzentrieren und nur mit Jenen zu reden, die sowieso schon auf unserer Seite sind.

Hier in Deutschland gibt es so gut wie kein Klassenbewusstsein. Wie ist diesbezüglich die Situation in GB? Welche Entwicklungen gibt es in der britischen Arbeiter*innenklasse?

Die Arbeiter*innenklasse befindet sich überall auf dem Rückzug vor den Auswüchsen eines Kapitalismus der von Krise zu Krise, von Krieg zu Krieg taumelt. Das Klassenbewusstsein hat abgenommen. Es gibt Verwirrung, Orientierungslosigkeit und und auch falsches Bewusstsein. Teile der Linken haben sich von der Arbeiter*innenklasse verabschiedet und betrachten sie nicht mehr als potentiell emazipative sozialistische Kraft. Wir betrachten die Arbeiter*innenklasse als divers. Wir reduzieren die Klasse nicht auf die Industriearbeiter*innen, welche in GB mit Veränderungen in der Arbeitswelt immer weniger werden. Aber überall haben Arbeiter*innen gemeinsame Interessen. Wir müssen Hierarchien und die Machtverhältnisse die mit diesen einhergehen überwinden, dies jedoch immer mit dem Hintergrund uns in einem gemeinsamen Kampf zusammenzuschließen.

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